Über die obskuren Verhaltensweisen lernunwilliger Studenten zur Prüfungszeit

Das Phänomen:

Junge, intelligente Menschen – auch als Studenten bekannt – tun Dinge, die sie sonst nie tun. Sie schreiben endlich wieder einmal an lange vergessene Bekannte, sie putzen ihre Wohnung und räumen auf, sie haben Zeit für stundenlange Gespräche, sie sehen träumend aus dem Fenster und lassen sich sicherlich noch zu weiteren, für viele ihrer Spezies eher ungewöhnlichen, Handlungen hinreißen.

Anscheinend einzig und allein zu einem Zweck: Dem Lernen für die anstehenden Prüfungen zu entgehen. Aber ist das ein Grund?

Der Erklärungsversuch:

Dieses – durchaus nicht seltene – Verhalten gibt näher betrachtet ein großes Rätsel auf. Warum wollen diese Menschen, die ihr Studium ja doch mehr oder weniger freiwillig nach Neigung gewählt haben und in diesem Maße auch davon überzeugt sind, nicht lernen?

Biologisch fällt mir hierzu Ersatzhandlung ein (Ich hoffe, dass ich mit folgender Beschreibung nicht allzu weit neben den Tatsachen liege, Menschen mit besseren Biologiekenntnissen dürfen mich gerne korrigieren!): Ein Tier, z. B. ein Vogel, kann sich nicht zwischen Angriff und Flucht entscheiden. Als „Lösung“, Erklärung dafür ist mir entfallen, putzt er sich. Übertrüge man dieses Modell auf den Studenten, müsste man also nach den zwei Entscheidungsmöglichkeiten suchen. Diese wären Lernen und Nichts-Tun. Nichts-Tun scheidet als Handlung aus, da dies zu erdrückenden Schuldgefühlen führen würde. Und Lernen scheidet auch aus, weswegen sich der Student zu einer Ersatzhandlung wie Putzen oder mit Freunden Chatten hinreißen lässt.

Aber warum scheidet Lernen aus? Die nach wie vor ungelöste Anfangsfrage ist damit nicht gelöst. Fangen wir doch einfach mal in der Kindheit an: Wenn man einem Kind etwas erklärt, dann freut es sich und versucht, es selbst zu lernen (z. B. Schuhe binden). Bestimmt hat auch jeder schon beobachtet, wie ausdauernd Kinder bei so etwas sein können und sich gegen jede Hilfe wehren. In der Grundschule hält die Lernfreude auch noch an, später nimmt sie im Zuge der Pubertät und erster Negativ-Lern-Erlebnisse, z. B. in Mathematik, ab. So weit, so gut.

Im Studium hingegen sind diese Fächer, die man gerade nicht kann, bei intelligenter Studienwahl nicht mehr vorhanden. Haben sich etwa alle nur vorgemacht, sie würden sich für die jeweiligen Gebiete interessieren? Ist das alles nur ein Ablenkmanöver, damit der Rest nicht sieht, dass sie Tag und Nacht lernen, weil sie ja immer noch nicht als Streber gelten wollen? Haben sie zu viel Angst vor einem Versagen, dass diese Furcht sie schon so weit lähmt, dass sie gar nicht erst anfangen? Lernen sie alle falsch und haben deswegen keine Freude daran? Macht ihnen das Lernen keinen Spaß, weil es einfach viel zu viel Stoff ist? Wissen sie zwar, dass sie lernen müssen, aber sind ihnen ihre Noten im Grunde total egal? Konnten sie nie tiefgreifendes Interesse für etwas entwickeln, so dass sie nie ohne Druck Leistung bringen können? Sind sie schlicht undiszipliniert?

Fest steht, dass wir irgendwann im Laufe unseres Reifeprozesses die Freude am Lernen verlernt haben. Über bessere bzw. besser recherchierte oder auch ganz andere Erklärungsversuche, gerne auch von den Profis aus den Pädagogik- oder Psychologie-Studiengängen, würde ich mich freuen.

Hanna

(Dieser Artikel war übrigens keine Ersatzhandlung, sondern eher als kreatives Entspannen nach einem durchgelernten Tag – seit über 24 Stunden weder Internet noch Telefon – sowie als „Warmschreiben“ für meine Prüfungen gedacht. Nur falls mir jemand etwas Anderes unterstellen wollte ;-) ).

P.S.: Ach ja, der Grund für die diesmal relativ lange Schreibpause lag in den Nachwirkungen der letzten, natürlich wieder sehr genialen, WG-Party. Neuigkeiten folgen … irgendwann. Wahrscheinlich im August. Bis dahin!

~ von hanna87jhej am Juli 15, 2008.

Eine Antwort to “Über die obskuren Verhaltensweisen lernunwilliger Studenten zur Prüfungszeit”

  1. Hm… Hallo zusammen erstmal… müsste eigentlich gerade VWL lernen, aber ziehe mir vorsichtshalber erstmal den WG-Bloq rein… ups… erwischt… schnell weg hier!

Einen Kommentar hinterlassen